Unterschiede von Arabica und Robusta

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Beim Kaffeekauf in einem deutschen Supermarkt kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass nur Arabica-Bohnen gut sein können. Schließlich wird das Label „Spitzenkaffee“ mit der Begründung „100% Arabica“ unterstrichen. Wer also weniger als diese 100 Prozent kauft, kauft minderwertige Qualität, oder? Ganz so einfach ist das jedoch nicht, deshalb wollen wir in diesem Beitrag die Unterschiede der bekanntesten Kaffeesorten betrachten.

Wie viele Kaffeesorten gibt es überhaupt?

Neben Arabica  gibt es noch Robusta, Liberica und dazu gehörige Sorte Excelsa. Die beiden letzteren machen zusammen jedoch nur knapp 1% des weltweit gehandelten Kaffees aus, sind also definitiv eher Nischenprodukte. Natürlich gibt es auch darüber hinaus noch weitere Arten der Kaffeepflanze, diese sind jedoch stark von speziellen, regionalen Gegebenheiten abhängig und lassen sich deshalb nur schwer kultivieren. Betrachtet man den gesamten Welthandel mit Kaffee, entfallen 60% auf die Produkte der Coffea arabica Pflanze und 36 % auf die der Coffea canephora.

direkter Vergleich von Arabica und Robusta Bohnen

Wie lassen die beiden Arten sich unterscheiden?

Hierzu gab es bereits einen Artikel von uns, der sich vor allem mit den optischen Unterschieden befasste. Deshalb hier eine kurze Zusammenfassung, die ausführlichere Version gibt es hier.

Arabica-Bohnen sind oval, etwas größer als die runden Robusta-Bohnen und haben statt einer geraden, eine geschwungene Naht. Im verarbeiteten Zustand, nämlich als Kaffee gebrüht in der Tasse, fallen weitere optische Unterschiede auf. Robusta-Kaffee hat eine sehr dunkle Farbe und eine langanhaltende,  ausgeprägte Crema. Arabica-Bohnen ergeben eine hellbraune bis leicht rötliche Farbe und haben keine besonders ausgeprägte Crema.

Kaffeeplantage Dutra im Hochland von Brasilien

Wie schmecke ich den Unterschied?

Um die geschmacklichen Vergleich zu verdeutlichen, ist ein kurzer Exkurs zum Anbau der Bohnen nötig. Arabicas wachsen am besten ab einer Höhe von 600 (besser jedoch 1000) und auf bis zu 2000 Metern, benötigen konstante Temperaturen im Bereich zwischen 15 und 25 Grad Celsius und brauchen bis zur Erntereife 9 bis 11 Monate. Diese Bedingungen machen nur die tropischen und subtropischen Hochland-Gebiete rund um den Äquator zu geeigneten Anbauflächen. So macht es nur Sinn, dass aus einem längeren und temperaturempfindlicheren Wachstumsprozess eine aromatischere und bekömmlichere Pflanze entwickelt. Arabicas sind geschmacklich deutlich feiner und ausgeprägter, was Noten von Zitronen, Blumen oder Früchten bei einigen Sorten hervorbringt. Größter Lieferant von Arabica Bohnen ist derzeit Brasilien.

Robustas hingegen fühlen sich schon ab 300 Metern Anbauhöhe wohl und können auch Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius trotzen. Auch weil sie resistenter gegen Schädlingsbefall und Feuchtigkeit sind erhielten sie ihren passenden Namen. Die Pflanzen tragen mengenmäßig mehr Früchte und sind bereits nach 6 Monaten erntereif. Das ermöglicht zum einen höhere Erträge und zum anderen sogar fast zwei Ernten pro Jahr. Das klingt alles in allem nach der perfekten Pflanze oder?
Leider muss man bei Robustas geschmacklich Abstriche machen, auch weil die Reifezeit kürzer ist. Die Aromen sind nicht so stark ausgeprägt wie bei den Arabica-Bohnen, die Bitterstoffe hingegen schon. Allerdings enthalten Robustas weniger Säure und eignen sich durch ihre tolle Crema perfekt für Espressi. Vietnam ist derzeit der größte Erzeuger von Robusta-Kaffees und zugleich auch insgesamt der zweitgrößte Kaffeeexporteur der Welt.

Espresso mit wuchtiger Crema

Wie werden die beiden Arten verwendet?

Wie bereits erwähnt, bilden die Arabicas mit ihrem Reichtum an Aromen die Grundlage für geschmacklich einwandfreien Kaffee. So wundert es nicht, dass auch unsere Kaffees Jamaika Blue Mountain, Fazenda Lagoa oder Indian Monsooned Malabar mit 100% Hochland-Arabica-Bohnen absolute, geschmackliche Highlights sind. Es ist auch nicht unüblich, passende Arabicas zu mischen um bestimmte Geschmacksnuancen noch besser hervorzuheben und verschiedene Aromen zu kombinieren. Ähnliches passiert auch bei der Verwendung von Robustas. Hier werden passende Arabicas als Grundlage gewählt um sie mit Robustas zu mischen und somit beispielsweise Espresso-Mischungen zu kreieren.

Gerade in Italien, das in der Kolonialzeit nur Zugang zu Robusta-Bohnen hatte, ist der herbe, rauchige Geschmack der Robusta-Espressi zusammen mit einem Löffel Zucker nach wie vor sehr beliebt. Unser Espresso Palermo ist, wie der Name vermuten lässt, an die süditalienische Stadt und deren Vorlieben beim Espresso angelehnt. Mit 50% Robusta hat diese Sorte ein herbes, rauchiges Aroma, verliert durch die lange Röstung aber auch sehr viel Säure.

Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage, ob alles außer „100% Arabica“ minderwertiger Kaffee sei, ist also: Nein. Beide Pflanzenarten haben ihre Schwächen und ihre Stärken, welche je nach Geschmack und Vorlieben sehr gut kombiniert werden können. Denn der prozentuale Arabica-Anteil sagt noch nichts über die Qualität der Bohnen aus. Es ist ebenso möglich mit Arabicas schlechten Kaffee zuzubereiten wie mit Robustas sehr guten.

Von den vielen Millionen Säcken Arabicas im Welthandel entfällt nur ein sehr kleiner Teil auf Bohnen der höchsten Qualitätsstufe. Ohne schonendes Röstverfahren können jedoch auch diese keinen wirklichen Genuss bringen! Zu wirklich gutem Kaffee gehört eben mehr als nur das Verwenden von Arabica-Bohnen!

 

Bilder:  Nathan Dumlao ,NordWood Themes , Jordan Merrick ,

 

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