Warum ist der Jamaica Blue Mountain der beste Kaffee der Welt? Teil II

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Nach der kleinen Einführung in die Welt der objektiven Kaffeebewertung möchten wir in diesem Artikel konkreter auf den Geschmack des Blue Mountain Kaffees eingehen.

Wächst guter Kaffee überall wo es warm ist?

So wichtig eine schonende Langzeit-Röstung wie Henry’s sie praktiziert, auch ist, der Grundstein für richtig guten Kaffee wird natürlich auf der Plantage gelegt. Eine Kombination von verschiedensten Standortfaktoren wird benötigt um Kaffee überhaupt anbauen zu können und nur ein wirklich optimales Anbaugebiet ermöglicht Spezialitätenkaffees. Vor allem Arabica-Pflanzen, die die reicheren und nuancierten Aromen ausbilden, benötigen konstante Bedingungen. Dazu zählen Temperaturen zwischen 15 und 25 ºC, einen hohen Bedarf an Niederschlag sowie Schatten und fruchtbare Böden. All das zusammen ergibt ein Gebiet rund um den Äquator, den sogenannten Kaffeegürtel. Die Hochlagen in tropischen und subtropischen Regionen bieten optimale Bedingungen, genau wie die Blue Mountains auf Jamaika.

Dort, auf bis zu 2300 Metern Höhe, gibt es all diese Bedingungen. Zu den schattenspendenden Avocado- und Bananenbäumen kommt noch der ganzjährig sehr dichte Nebel, der eine besondere Rolle als natürlicher Sonnenschutz hat. Das dadurch bedingte, langsame Wachstum kommt den Kernen der Kaffeekirschen zu gute: sie entwickeln komplexere Aromen und weniger Säure. Das klingt soweit alles relativ simpel, oder? Tatsächlich lassen sich viele Schritte im Reife-Prozess der Kaffeepflanzen optimieren und deren Auswirkungen vorhersagen, um sie möglicherweise anzupassen. So lassen sich in vielen Tropenregionen Kaffeepflanzen kultivieren und gute Erträge ernten. Die Ausgeglichenheit des Klimas in den jamaikanischen Hochlagen ist jedoch dermaßen einzigartig, dass es schlicht nicht möglich ist an einem anderen Ort ähnliche Bedingungen und somit ähnlich guten Kaffee zu erzeugen.

Betrachtet man unsere Aromaspinne, wird klar wie sich absolut ausgeglichene Voraussetzungen auf das Endprodukt auswirken:

Aroma des Jamaica Blue Mountain

Wie schon erwähnt, wachsen die Kaffee-Pflanzen nicht völlig isoliert von anderen Gewächsen. Dadurch und durch bestimmte Zusammensetzungen der Böden, können die Pflanzen individuelle Aromen ausbilden, die den Charakter ihrer Umgebung einfangen. Gerade der Boden in Tropenregionen ist durch die enorm schnelle Wiederverwertung von abgestorbenen Pflanzen sehr reich an Mineralien und Nährstoffen.

Was sagen die Aromen über die Qualität des Kaffees aus?

Natürlich denken wir uns die Aromen nicht aus, sondern haben lediglich das Coffee Taster’s Flavor Wheel der SCAA & WCR vereinfacht. In diesem werden nach verschiedenen Geschmackskategorien, die Aromen differenziert dargestellt. Das stellt jedoch keine Bewertung dar, sondern eine Feststellung. So machen rauchige Aromen einen Kaffee noch lange nicht ungenießbar, ebenso wenig schmeckt nicht jeder gute Kaffee fruchtig. Die einzelnen Kategorien werden alle objektiv bewertet, einzig der Gesamteindruck am Ende der Verkostung einer Sorte darf subjektiv sein.
Genau aus diesem Grund ist der Jamaica Blue Mountain der wohl beste Kaffee der Welt: die Aromen für sich betrachtet sind alle sehr ausgewogen und ausgereift, schneiden deshalb beim objektiven Bewerten sehr gut ab. Insgesamt harmonieren diese auch im Gesamteindruck und ergeben eine nahezu perfekte Kombination, was den subjektiven Gesamteindruck am Ende sehr positiv ausfallen lässt. Entscheidend ist natürlich bei erfahrenen Kaffee-Testern auch, wie einzigartig der Geschmack insgesamt ist, hierbei hinterlässt der Blue Mountain wohl deutliche Spuren.

Noten von Nüssen und Karamell, zusammen mit einer leichten, fruchtigen Süße ergeben einen milden Geschmack. Die leichte Säure kombiniert mit einem vollen Körper lässt die Aromen sehr gut entfalten und gibt ein sehr angenehmes Gefühl in Rachen und Mund.

Kann man also den perfekten Kaffee anbauen?

Und daran schließt sich die Frage an, wieso man dann nicht mehr davon produziert? Tatsächlich ist der Platz für Kaffeeanbau in Jamaika begrenzt. Die für typische Kaffee-Länder ohnehin relativ kleine Anbaufläche wird durch Reservate und teilweise nicht landwirtschaftlich erschließbare Gebiete noch weiter eingegrenzt. Somit sind die Ernten begrenzt: nur rund 2700 Tonnen Kaffee exportiert Jamaica jährlich, davon verlassen das Land nur rund 25% mit dem Jamaica Blue Mountain Label. Im Weltmarkt mit fast 10 Millionen Tonnen betrachtet also ein winziger Tropfen. Das knappe Angebot führt zu einer enormen Nachfrage, was letztendlich auch zu den hohen Preisen führt.

Damit das auch so bleibt und Jamaika weiterhin über ein so starkes Exportprodukt verfügt, kümmert sich das Coffee Industry Board of Jamaica um die Qualitätssicherung und geht aktiv gegen Fälschungen vor. Darüber hinaus lässt sich so auch die Exportmenge regulieren, was langfristig das Preisniveau und die Farmer schützt. Natürlich werden auch Aktivitäten unternommen um das Produkt Jamaica Blue Mountain in Faktoren abseits von Geschmack und Preis abzugrenzen:

Fass des Jamaica Blue Mountain Kaffees

Der Jamaica Blue Mountain Grade 1, den wir hier auch verkaufen, wird zu uns in Holzfässern, statt wie sonst üblich in Jutesäcken, geliefert. Grade 1 bezieht sich in diesem fall, wie im 1. Teil des Artikels schon erwähnt, auf die Screen Sizes, also die Größe der Bohnen. Das Fass wurde über die Jahre zu einem echten Markenzeichen und unterstützte natürlich auch den Hype um den Kaffee der Karibikinsel.

Wir hoffen, wir konnten Euer Interesse für eines der faszinierendsten Kaffee-Produkte dieser Welt wecken und euch einen kleinen Einblick in die Bewertung und Einordnung von Kaffees geben. Falls Ihr eure Geschmacksnerven testen wollt, aber nicht gleich 500 Gramm des Jamaica Blue Mountain kaufen wollt, haben wir übrigens auch die 100 Gramm Packung für 15,99€ im Programm! Mit Sicherheit kein Schnäppchen, aber auf jeden Fall ein Kaffee für besondere Momente.

 

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